Der Riesenzollstock von Pfriemsdorf
66 Meter lang, 24 Glieder, 65 Kilogramm - 1999 gebaut, im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet, seit Jahren eingelagert. Wir holen ihn zurück.

- 66 m
- Länge
- 24
- Glieder
- 65 kg
- Gewicht
- 482
- Freizeitstunden
„Zollstock-City" — wie alles anfing
Ende der neunziger Jahre war Pfriemsdorf für kurze Zeit bundesweit bekannt. Die Zollstockfreunde „97 Zoll Anhalt" richteten hier und in Köthen Zollstock-Tauschbörsen aus, zu denen mehrere tausend Besucher kamen. In der Presse hieß der Ort „Mekka der Zollstockfreunde" und „Zollstock-City". Der neugestaltete Dorfplatz wurde von der damaligen Bürgermeisterin Frau Reinbothe feierlich als „Zollstockmarkt" eingeweiht — so heißt er bis heute.
Im März 1998 legten die Sammler fast 2.000 Zollstöcke auf der Strecke Pfriemsdorf–Köthen aus, einen an den anderen.
Der Rekord
Anfang 1999 nahmen sich die Zollstockfreunde etwas Größeres vor. In der Werkstatt des Köthener Werbefachmanns Wolfgang Lorenz entstanden an den Wochenenden die drei Meter langen Elemente eines Riesenmaßstabs. Zehn bis zwölf Leute aus dem Kreis der rund sechzig Sammelfreunde arbeiteten daran — am Ende waren es 482 Freizeitstunden.
Der bis dahin registrierte Rekord lag bei 21 Metern. Am 13. Februar 1999 präsentierten sie einen Zollstock von 66 Metern Länge, aus 24 Gliedern, 65 Kilogramm schwer. Premiere hatte er beim Rosenmontagszug in Köthen.
Im Guinness Buch der Rekorde
Im Oktober 1999 bestätigte die Redaktion des Guinness Buchs der Rekorde die Leistung mit einer Urkunde. Aufgenommen wurde sie in die Millennium-Ausgabe 2000, auf Seite 233, unter der Überschrift „Größter Zollstock".
Die Zollstockfreunde 97 Zoll Anhalt aus Köthen (D) präsentierten am 13. Februar 1999 einen 66 m langen Zollstock aus 24 Gliedern mit einem Gewicht von 65 kg.
— Guinness Buch der Rekorde 2000, Millennium Edition, Seite 233
Auf den 24 Gliedern stehen die Namen der Betriebe, die das Vorhaben damals unterstützt haben — Firmen aus Köthen, Großbadegast und Umgebung. Manche gibt es heute nicht mehr. Ihre Namen stehen weiter auf dem Zollstock.
Das Zollstockhaus
Was danach geschah
Bis zum Frühjahr 2000 hing der Riesenzollstock im Saal der Pfriemsdorfer Gaststätte, die sich seinetwegen „Zum Zollstock" nannte. Danach bewahrte ihn sein Konstrukteur Wolfgang Lorenz über zwanzig Jahre in seiner Werkstatt auf. Nach seinem Tod im Jahr 2022 kamen Zollstock und Zollstockhaus in eine Industriehalle — der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.
Die Gaststätte ist längst geschlossen. Im Ort erinnert heute nichts mehr an das, was hier einmal entstanden ist.
Wie es weitergehen soll
Der Heimatverein Badegast will beides zurück an den Zollstockmarkt in Pfriemsdorf holen: den Riesenzollstock auf ein festes Gestell und das Zollstockhaus in einen wettergeschützten Überbau. Dazu eine Informationstafel, die die Geschichte vor Ort erzählt.
Der Platz soll damit ein Anlaufpunkt werden — für den Ort und für Radtouristen, die hier Rast machen. Eine neue überdachte Picknickbank steht bereits.
Zeitleiste
- 1997
Gründung der Zollstockfreunde „97 Zoll Anhalt"
- März 1998
Fast 2.000 Zollstöcke werden zwischen Pfriemsdorf und Köthen ausgelegt
- 13. Februar 1999
Premiere des Riesenzollstocks beim Rosenmontagszug in Köthen
- Oktober 1999
Guinness-Urkunde
- 2000
Eintrag im Guinness Buch der Rekorde, Millennium-Ausgabe, Seite 233
- bis Frühjahr 2000
Der Zollstock hängt im Saal der Gaststätte „Zum Zollstock" in Pfriemsdorf
- 2000 bis 2022
Aufbewahrung in der Werkstatt von Wolfgang Lorenz
- 2022
Wolfgang Lorenz verstirbt; Zollstock und Zollstockhaus werden eingelagert
- Juli 2026
MDR-Dreh am Zollstockmarkt, der Zollstock wird wieder aufgebaut


